70 Jahre bei der Rheinkraft

1924 wurde ich, Fritz Hermanns, in Neuss auf der Zollstr., im Schatten von St. Quirinus, geboren, und wuchs auf im Dreikönigenviertel auf der Bergheimer Straße. Hier nun erzähle ich etwas aus meinem Leben, das eng mit dem Vereinsleben der DJK-RHEINKRAFT verknüpft ist.In der Nähe meines Elternhauses war der Bergheimer Platz mit dem Steigerturm der Feuerwehr. Dieser Platz wurde von der DJK RHEINKRAFT als Fußballplatz genutzt. Tagsüber haben wir Kinder dort getobt, aber hauptsächlich Fußball gespielt.1934 bin ich als 10-Jähriger in den Verein DJK RHEINKRAFT Neuss eingetreten. Jetzt durfte ich endlich „richtig“ Fußball spielen. Ich wurde als rechter Läufer in einer Schülermannschaft eingesetzt. Später, als Jugendlicher, spielte ich in der B-Jugend. Wie einige andere spielte ich nicht nur Fußball, sondern sammelte auch in einem mir zugeteilten Bezirk die Vereinsbeiträge ein, weshalb man uns „Bezirksvorsteher“ nannte.

Da wir selbst noch kein eigenes Vereinsheim hatten, so auch keine Umkleidekabinen, durften wir uns auf der Kegelbahn unseres Vereinslokals, Gaststätte Pullen, umziehen. Nach dem Spiel wurde dann unter einem 1/2-Zoll Wasserhahn „geduscht“.
Ja, wer von der DJK RHEINKRAFT spricht, muss gleichzeitig von der Gaststätte Pullen sprechen, denn diese war das Herz unseres Vereins. Dabei sollte man auch nicht Jean Pullen vergessen, denn er hat unseren Verein als Vorsitzender von 1914 bis zu seinem Tode im Jahre 1964 vorbildlich geführt.

Der Bergheimer Platz mit dem Steigerturm wurde nicht nur zum Fußball spielen benutzt, nein, am Samstag Nachmittag kam die Feuerwehr und absolvierte ihre Übungen zur Brandbekämpfung. Die Feuerwehrleute kletterten den Steiger hinauf und sprangen von verschiedenen Etagen ins Sprungtuch. Wenn die Feuerwehr abgezogen war, hinterließ sie nicht nur die tiefen Reifenspuren des Löschfahrzeugs in dem Aschebelag, der unser Spielfeld bedeckte, sondern auch viele Pfützen. Aber auch das konnte uns RHEINKRAFT-Fußballern die Sportfreude nicht vermiesen.

Mit 17 Jahren musste ich Soldat werden. Vorher noch sah ich, dass auf „unserem“ geliebten Sportplatz ein Bunker gebaut wurde.
Als ich 1945 aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause kam, war mein nächster Weg zum Vereinslokal Pullen. Ich freute mich sehr, dass das Haus die Bombenangriffe unbeschädigt überstanden hatte. Pullen, das war das Herz unseres Vereins.
Nur eines machte mich traurig: Unseren Sportplatz hatte man mit einem Luftschutzbunker bebaut. Der Steigerturm stand noch, wenn auch ziemlich zerschossen, aber immerhin, er stand noch. Nur unseren Fußballplatz, den gab es nicht mehr, er war zubetoniert. Nun diente der Platz zeitweise Karussells und Kleinzirkussen.


Unsere Rheinkraftmannschaft 1936, Fritz Hermanns, 1.Spieler von links
Die Militärregierung hatte zu dieser Zeit, kurz nach dem Kriege, ein Versammlungsverbot in Räumen erlassen. Also setzten wir uns auf dem Hof der Gaststätte Pullen zusammen und riefen unseren geliebten Verein wieder ins Leben. Hierbei muss ich erwähnen, dass unser DJKVerein von den Nazis verboten worden war. Während der Hitlerzeit durften wir nur unter dem Namen VfL (Verein für Leibesübung) Rheinkraft Fußball spielen. Nun aber gab es wieder die DJK RHEINKRAFT.Da ich verletzt aus dem Krieg zurückgekommen war und nicht mehr Fußball spielen konnte, habe ich auf Bitten des damaligen Vorstandes den Posten als Kassierer übernommen.

1965 bin ich von Neuss nach Weckhoven gezogen, bin aber bis heute dem Verein als passives Mitglied treu geblieben.

Fritz Hermanns, im März 2004