DJK Rheinkraft - darüber wüsste ich mehr

Antworten auf nahe liegende Fragen

XY: „Was machst Du heute Abend?“

A: „Ich mache die wöchentliche Gymnastik mit der DJK Rheinkraft.“

XY: „Gymnastik könnte ich auch brauchen, aber wer oder was ist die DJK?“

A: „DJK heißt Deutsche Jugendkraft. Das war also ursprünglich ein Jugendverband, entstanden im Umfeld der frühen Jugendbewegung (Pfadfinder, Wandervogel, Quickborn …), als man sich Anfang des 20. Jahrhunderts dem Wandern, dem Sport mit neuer Begeisterung zuwandte.

Eine der ersten Fußballmannschaften unseres Vereins (um 1920)

Auch kirchliche Jugendgruppen wurden davon erfasst, sie wollten nicht auf einen lediglich religiösen Bereich beschränkt bleiben, gründeten Sportabteilungen, betonten die leib-seelische Ganzheit des Menschen. Die etwas pathetische Sprache zeugt von dieser Hochstimmung des Aufbruchs.

Dieser aber wurde jäh unterbrochen, als am 28. Juni 1914 – an dem Tag, an dem Jean Pullen mit einer Fußballmannschaft des Vereins von Hl. Dreikönige die Keimzelle der späteren „Rheinkraft“ gründete – der österreichische Thronfolger durch Schüsse serbischer Nationalisten in Serajewo starb und man in den 1. Weltkrieg schlidderte, der der jungen Generation, nicht zuletzt in Deutschland, ungezählte Opfer an Toten und Kriegsversehrten abforderte. Der Sport kam weithin zum Erliegen, abgesehen vom Boom beim Fußball. Dreikönige hatte 1916 schon bzw. noch 3 Mannschaften, immerhin.

 


Mandolinen-Abteilung bei der Rheinkraft (um 1920)

In den Anfangszeiten der Weimarer Republik wurden im kath. Jungmännerverband vielerorts neue Sportabteilungen gegründet, und die lokalen Gruppen schlossen sich 1920 zusammen zu einem Reichsverband für Leibesübungen in kath. Vereinen „Deutsche Jugendkraft“ (DJK), mit der Parole: „Der Deutschen Jugend ihre Kraft zu mehren und dem deutschen Volke die alte deutsche Jugendkraft zurückzugeben“, im Wappen “tapfer und treu“.

Man sieht, wie nach Versailles und Besatzungszeiten die nationalen Emotionen hochkochten; Erinnerungen an die Zeiten des Turnvaters Jahn wurden neu geweckt und Sport von manchen mit Wehrhaftigkeit in Verbindung gebracht, auch wenn Liedtexte wie „Wo kühn sich deutsche Recken strecken…“ zunehmend als drollig empfunden wurden. Im kirchlichen Bereich betonte man mehr Ziele wie Gemeinsinn, Charakterbildung, frohes Jugendleben in der Einheit von Seele und Leib.

Es gab auch Widerstände: gesellschaftlich gegen die konfessionelle Ausrichtung, innerkirchlich gegen die vermeintliche „sittliche Gefährdung“ durch anstößige Sport- und Badekleidung (Sport von „Damen mit kurzer Sporthose, zeitweise auch Damen schon ohne Strümpfe“…), durch mangelnde Geschlechtertrennung und durch Kollision mit den Gottesdienst-Zeiten, denn den freien Samstag gab es ja noch nicht. Sportoffene Kapläne, Pfarrer, nicht zuletzt der Generalpräses Carl Mostert (†1926), nach ihm Ludwig Wolker, haben hier innerkirchlich Pionierarbeit leisten müssen.


Eine historische Aufnahme des Rheinkraft-Tambourkorps (Schützenfest 1926)

Auch die wieder auflebende Gruppe von Dreikönige, die sich jetzt den Namen „Rheinkraft“ gab, schloss sich, wie auch die Vereine von St. Marien und Holzheim, gleich 1920 dem Reichsverband DJK an.

 


Mitgliedsausweis der Deutschen Jugendkraft, 1926

Rheinkraft bezog sich mit Recht auf die informelle Gründung von 1914 und zählte 1924 beim 10. Stiftungsfest 160 Mitglieder (120 „ältere“, 40 jugendliche), dazu 35 Schüler, die sich in den Zweigen Fußball-, Faustball- oder Schlagballspiel, im Turnen, Wandern und/oder in der Leichtathletik aktiv betätigten.

10 Jahre später hatte sich das Bild wieder gewaltig verändert. Wolker und sein Verband hatten an einer anderen Front zu kämpfen und drohten fast zwischen die Mühlsteine zu geraten.

XY: Aha ! Wenn die DJK in ihren Anfängen, wie andere Teile der Sportbewegung mit einigem Pathos ihr Deutschtum betonte, – war sie dann nicht ein verdammt rechter Verband, der weiter nach rechts abglitt zu den Braunen ?

A: Irrtum ! Nachdem Hitler nach dem Reichstagsbrand 1933 Hindenburgs Unterschrift unter die Notverordnung „zum Schutz von Volk und Staat“ (vorgeblich gegen kommunistische Umsturzversuche) bekommen hatte, wurde – unter Umgehung der normalen Justiz – systematisch die „Gleichschaltung“ betrieben. Die kath. Kirche suchte in Konkordatsverhandlungen u.a. auch Schutz für ihre Jugendverbände zu erreichen. Bei Unterzeichnung des Konkordats lagen die Ausführungsbestimmungen des Art. 31 zu diesem Punkt noch nicht vor; es kam nie mehr zu klaren Abmachungen. So wurde der wachsende Anspruch der HJ, allein die deutsche Jugend zu vertreten, mit zunehmendem Druck betrieben, 1936 per Gesetz festgeschrieben.

 


Bericht der NGZ vom 27. Mai 1935 über ein abgebrochenes Fußballspiel aus politischen Gründen

In dieser Übergangszeit standen viele vor der Alternative:
entweder als „rein religiöse“ Gruppe (z.B. Messdiener) sich in die Sakristei zurückzuziehen oder als „reine Sportverbände“ Aufnahmein den NS-Reichssportbund zu suchen. Dazwischen blieb kein Raum.

Noch ehe die Gleichschaltung im Jugend- und Sportbereich voll gediehen war, widersetzten sich einige wenige dem erkennbaren Trend; Proteste waren noch eingeschränkt und mit hohem persönlichen Risiko möglich.

Als Hitler seinen innerparteilichen Rivalen, den SA-Führer Röhm, mit dessen Vertrauten in Bad Wiessee durch ein SS-Kommando überfallartig verhaften und erschießen ließ (30.06. – 02.07.34) – dem Volk als Niederschlagung des sogen. „Röhm- Putsches“ mitgeteilt -, hatte Göring , kommissarisch in Berlin als Innenminister auch Polizei-Chef, dem Gestapo-Chef Heydrich den Befehl gegeben, im Schatten der „Putsch-Niederschlagung“ auch andere politische Gegner wegzuräumen, nicht nur den früheren Kanzler General v. Schleicher (mitsamt Frau), sondern auch 3 prominente Katholiken: den Schriftleiter Dr. Gerlich, den Ministerialrat Dr. Klausener und Adalbert Probst, den Reichsführer der DJK! Probst hatte einen Wink bekommen, die Gestapo sei ihm auf den Fersen; er suchte den noch kranken Wolker auf, der ihn aber nicht verstecken konnte.

Probst wurde im Auto abgeholt, und nach einigen Tagen kam die Nachricht: „auf der Flucht erschossen“. Die Urne mit seiner Asche wurde erst einige Zeit später zugestellt. Die Todesmeldung wurde im kath. Raum nur ohne Details und ohne Kommentierung mitgeteilt; man wusste jetzt, wozu Hitler fähig war. Hellhörige ahnten etwas (Todesdatum 01.07.34)! Diese frühen Blutzeugen der NS-Diktatur sollten nicht in Vergessenheit geraten.

Das Schicksal der DJK war auch bald besiegelt. Am 23.07.1935 wurden in Preußen durch Himmler, anderswo ähnlich konfessionelle Jugendgruppen (incl. Sportgruppen) verboten, und nun gab es hier nur noch die Weggabelung: entweder Resignation, Rückzug aus dem Sport, oder aber einen Übertritt in einen gleichgeschalteten reinen Fußballclub „VfL Rheinkraft“.

 


Handentwurf für das Vereinsabzeichen VfL Neuss, 1935

Dieser Zwang zu einer sehr persönlichen Entscheidung mag manche alte Freundschaft arg belastet haben, zumal offene Gespräche immer gefährlicher wurden. Übrigens: Wolker, der bei der Fuldaer Bischofskonferenz deutlichere Stellungnahmen zum Schutz der Jugendverbände angemahnt hatte, wurde 1936 auch 3 Monate lang in Gestapo-Haft genommen.

Man sollte bei solchem Rückblick auf die ersten 21 Jahre der Rheinkraft bzw. der DJK auch an die vielen Ehrenamtlichen an der Basis denken, die viel Zeit, oft Geld, gewiss Nervenkraft in diese Arbeit investiert, Mut aufgebracht und Ängste ausgestanden haben.

Nach Kriegsende wurde eine in Dreikönigen entstandene DJK Rhenania und der VfL Rheinkraft, der in die DJK eintrat, 1955 unter dem Namen DJK Rheinkraft zusammengeführt, um ärgerliche Rivalitäten zu vermeiden. Maßgeblichen Anteil an dieser Fusion hatte Jean Pullen.

XY: Damit sind falsche Vermutungen über die frühe Zeit ausgeräumt, danke!

 


Fußball B-Jugend wurde 1945 – 1946 ungeschlagen mit 38:2 Punkten und 61:10 Toren Neusser Stadtmeister.

Nun zum Aktuellen:

Wenn nach dem 2. Weltkrieg die alten Namen wieder aufgenommen wurden, will man wieder primär das Konfessionelle des Vereins betonen? Sind derlei Grenzziehungen nicht, besonders mit Blick auf den Sport, längst überholt?

A: In der Tat, durch die Erfahrungen der letzten 7 Jahrzehnte sind Konfessionsgrenzen – Gottlob – in vielen gesellschaftlichen Bereichen überholt. So gab z.B. vor einiger Zeit zum „Sonntag des Sports“ mit dem Jahresthema „Fair Play: Sport treiben und Mensch bleiben“ der DJK – Verband eine Arbeitshilfe der Kirchen heraus, mit Gesprächsanregungen, geeigneten Liedern und Gebeten und einem gemeinsamen Begleitwort der obersten Repräsentanten der beiden großen Konfessionen in Deutschland.

Also: Auch die DJK-Rheinkraft kennt heute natürlich keine konfessionelle Ausgrenzung. Die Beibehaltung der alten Namen sollte primär wohl daran erinnern, wo die Anfänge, die Wurzeln dieser Gemeinschaft liegen. (Auch nicht jeder Fußball-Club, der sich „Borussia“ nennt, möchte nur Fans von Borussen = Preußen hinter sich wissen.)

Zu den sozusagen geistigen Wurzeln des Selbstverständnisses der Rheinkraft gehört: Sport sollte keine nur selbstbezogene, dazu isoliert körperliche Form von „Selbstverwirklichung“ sein, sondern seinen Bezug zur Gemeinschaft (Team, Sportkameraden), auch zur Leistungsforderung an sich selbst und damit zur Selbstdisziplin (Training statt nur Hängematte bzw. Fernseh- Sessel), letztlich auch zur geistigen Wachheit und zum „seelischen Wohl“ festhalten.

Im Grunde erinnert dieses Verständnis an ein altes lateinisches Wort, das bei Festveranstaltungen gern zitiert wird: mens sana in corpore sano – meist etwas irreführend übersetzt:„Ein gesunder Geist (kann nur) in einem gesunden Körper (wohnen)“. Diese Übersetzung täte vielen Behinderten oder Kranken bitter Unrecht. Ein gesunder Körper ist weithin ein Geschenk, liegt nicht ganz in der eigenen Hand. Man kann etwas für oder auch gegen die eigene Gesundheit tun, insoweit ist leibseelische Gesundheit eben Gabe und Aufgabe, – hier sind auch die Grenzen des Sports.

Übrigens: Ähnliches hat, bei genauerem Hinsehen, auch der römische Dichter Juvenal (ca. 47-113 n.Chr.), dem man dieses Zitat entlehnt, vor rund 2 Jahrtausenden gemeint, denn er formulierte wörtlich: Orandum (e)st, ut sit mens sana in corpore sano = Man muss darum beten (damals: die Götter bitten), dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper lebe (wohne).

XY: Verstanden. Nochmals eine Frage zu Euren alten Namen: Du machst mit in einer„Senioren-Gruppe“ und dann sprecht Ihr von Rheinkraft und Jugendkraft; klingt das nicht komisch? Kraft mal Kraft, das ist doch – streng mathematisch gesprochen – Kraft in der zweiten Potenz. Auch ohne Doppeldeutigkeit: Seid Ihr alle so tolle Kerle? Da traut man sich ja kaum mitzumachen.

A: Gemach! Wer ist heute schon „Junior“ oder ein „Älterer“? Die Grenzen sind fließend. Im familiären Bereich wird das individuell verteilt (Junior-Chef, Senior-Chef) und im gesellschaftlichen Bereich hat sich eine schiefe Übersetzung sprachlich leider durchgesetzt. Als Gattungsbegriff kennen die alten Römer die „seniores“, die Älteren, als die Waffenfähigen exakt zwischen 45 und 60 Jahren, also das, was vor 130 Jahren bei den Preußen „Landsturm“ hieß. („Immer langsam voran, immer langsam voran, dass der preuß. Landsturm auch nachrücken kann“); diese Jahrgänge wurden 1945 zum „Volkssturm“ aufgerufen.

Was unsere Gruppe angeht, so sind darin auch jüngere und ältere „Senioren“.

Also lass Dich nicht bange machen, es gibt bei uns mehr als nur Stretching und „Knochenschleudern“. Vorher kämpft man mit seiner Trägheit, nachher ist man immer froh, dass man mitgemacht hat. Rasten heißt rosten! Zähl Dich, im weitesten Sinne, zur sportlichen „Jugend“!

XY: Was habt Ihr bei der Rheinkraft denn noch anzubieten? Wo bleiben die Kinder, die Jugendlichen und die Generation ab 20 Jahren? Ihr Rentner habt es ja schon geschafft, aber die anderen wollen doch auch mal ran. Also wie ist das?

A: Natürlich ist Deine Frage mehr als berechtigt. Die rund 800 Mitglieder der Rheinkraft bestehen zwar aus rund 200 Senioren, wir rechnen da die über 55-järigen als so genannte Ältere dazu.

Die Rheinkraft ist aber sehr stolz darauf, rund 250 Kinder und Jugendliche im Verein zu haben. Die kleinsten Aktiven sind um die 5 Jahre. Sie spielen bei den Fußballjunioren – bei den Bambini – schon einen Superfußball. Die Begeisterung ist dort sehr groß. Weiterhin haben unsere Kinder im Kindergartenturnen und die etwas Älteren, so ab 8 Jahren, die Möglichkeit, bei der Leichtathletik mitzumachen. Im Winterhalbjahr wird in der trockenen Halle und im Sommer auf der Wolkeranlage trainiert. Viele Jugendliche spielen in den Juniorenklassen Fußball oder Volleyball. Sie nehmen an Turnieren und Freundschaftsspielen teil.

Die etwa 200 Älteren, die Erwachsenen, haben die Möglichkeit, sich sportlich beim Volleyball, Fußball, Freizeitsport, Walking – es gibt sogar Gruppen für Ältere – und bei der Gymnastik zu betätigen. Wir sind übrigens sehr stolz darauf, dass unsere Volleyballdamen in der Oberliga, der vierthöchsten Klasse mit großem Erfolg spielten. Darüber hinaus haben wir noch einen Lauftreff zu mehreren Startterminen, an dem alle, auch Ungeübte, teilnehmen können. Das ist das Stichwort. Jede(r) Ungeübte oder sportlich Interessierte kann als Anfänger, ob männlichen oder weiblichen Geschlechts, bei uns eine geeignete Gruppe finden. Unser Verein freut sich über jedes neue Mitglied.

Gymnastik wird für alle angeboten. Es gibt eine Damengymnastikabteilung mit 3 Gruppen und die Seniorenabteilung, die aus verschiedenen Gruppen besteht: eine Männer- und eine gemischte Gruppe sowie vier Damengymnastikgruppen und eine Tanzgruppe.

Für alle Sportangebote stehen selbstverständlich ausgebildete Übungsleiter zur Verfügung.

XY: Vielen Dank für diese ausführliche Erläuterung Eures umfangreichen Sportangebotes. Da werde ich mich mal aufraffen und mich und meinen Enkel bei Euch anmelden.